AD-NET-CARE - Adaptive Unterstützungsnetzwerke älterer Migrant*innen


Projekt: AD-NET-CARE - Adaptive Unterstützungsnetzwerke älterer Migrant*innen

Laufzeit: 01.01.2020 – 31.12.2020

Projektkoordination: Dr. Rosa Brandhorst


 

Inhalt und Fragestellung

Die ambulante Pflege gehört zu den überwiegend akzeptierten Pflegeangeboten seitens pflegebedürftiger Migranten*innen, da sie dem Wunsch dieser Personengruppe nach einer familienzentrierten Fürsorge im häuslichen Rahmen entgegenkommt. Das bedeutet, dass neue Wohn-, Pflege- und Versorgungsformen notwendig werden. Dazu gehören Familienangehörige, Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Freunde und Nachbarn, die ältere Menschen in alltäglichen Situationen unterstützen. Sie bilden ein Unterstützungsnetzwerk, das nach Bedarf mobilisiert werden kann. Internationale Migration, berufsbedingte Pendlermobilität, Mangel an bezahlbarem und altersgerechtem Wohnraum, finanzieller und zeitlicher Druck und psychologische Belastung führen dazu, dass Familien oft zwischen ‚guter Pflege, die zu teuer ist‘ und ‚bezahlbarer Pflege, die gut genug ist‘ wählen müssen, wobei ihre Entscheidungen sowohl von der gesetzlichen Regulierung als auch der Charakteristika des Wohnorts abhängig sind. So sind die Handlungsmöglichkeiten für Großstadtbewohner*innen und Familien in ländlichen Gebieten mit geringer Dichte an pflegerischen und medizinischen Leistungen sehr unterschiedlich. Gerade in ländlichen Gebieten können Telemedizin und weitere Technologie (ambient assisted living AAL) komplementär in der Pflege eingesetzt und als Teil solcher Unterstützungsnetzwerke betrachtet werden. Bisher fehlen allerdings Untersuchungen darüber, wie ältere Migrant*innen und deren Familien die Pflege organisieren, ob sie ihre Unterstützungsnetzwerke um migrantische Pflegekräfte erweitern, ob sie im Bereich (Tele-)Medizin/AAL besondere Bedürfnisse haben (und wenn ja, ob diese realisiert werden können) oder ob sie auf transnationale Netzwerke und Pflege bzw. Versorgung im Ausland zurückgreifen. Angesichts dieser Wissensdefizite fragt das Projekt u. a. nach:

  • gesetzlichen Bedingungen für Unterstützungsnetzwerke, insbesondere bezüglich der Verfügbarkeit der migrantischen und technischen Hilfe in der Pflege
  • Bedeutung der lokalen Kontexte (Populationsdichte, Wirtschaftslage, materielle Infrastruktur) für die Gestaltung der Unterstützungsnetzwerke
  • Reaktionen der Unterstützungsnetzwerke auf Änderungen in Kontextbedingungen (gesetzliche Regulierung, Verfügbarkeit der Technologie, Migration/Mobilität, ökonomische Deprivation am Wohnort/finanzielle Lage der Familie)
  • Akzeptanz der Technologie im Alter in der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund und deren Familienangehörigen
  • Entscheidungsfindung für bestimmte Konstellationen der Netzwerke (Familie, Freunde, Nachbarschaft, Technologie, migrantische Pflegekräfte)
  • Verhandlungen von Intimität in den Unterstützungsnetzwerken (zwischen Status, Alters- und Geschlechtergruppen)
  • Verhandlungen von Geschlechterrollen innerhalb der Netzwerke, u. a. im Hinblick auf die Pflege durch Männer

 


Aktueller Stand

 

Der Projektbeginn ist für den 1. Januar 2020 geplant.

mehrweniger

Methodik 

 

Das Projekt basiert auf ethnographischer Forschung: In ausgewählten Städten in Deutschland werden qualitative narrative Interviews geführt, um die Unterschiede zwischen lokalen Kontexten herauszuarbeiten. Für die Untersuchung bietet sich die Biographieforschung als vielversprechender theoretischer und methodologischer Ansatz an. Dieser kann zur Vertiefung mit ethnographischen Methoden (z.B. teilnehmende Beobachtung) ergänzt werden.

Case Studies werden nach dem Prinzip der maximalen Differenzierung ausgesucht, so dass wir die Variation in Unterstützungsnetzwerken erfassen können. Die Zusammenarbeit mit Firmen wie Smart Homes, den Expert*innen in AAL und anderen Technologien in den Niederlanden, NGOs, ambulanten Pflegediensten und Krankenhäusern sind geplant.

Die Ergebnisse werden mit dem Monitoring und anderen Projekten im Bereich Ältere Migrant*innen am DeZIM vernetzt.

 

mehrweniger

Weitere Arbeitsschritte

 

Neben der Planung der Forschungsinstrumente soll in der ersten Phase auch die Möglichkeit der Kooperation mit Krankenkassen wie der AOK oder der Barmer geprüft werden. Internationale Kooperationen mit der Forschungsgruppe Anthropology of Health, Care and the Body an der University of Amsterdam, Faculty of Social and Behavioural Sciences (Dr. Kristine Krause) sowie mit der School of Social Sciences, University of Western Australia (Prof. Dr. Loretta Baldassar) sind gesichert. Die Finanzierung von internationalen Fellowships, z. B. über die DFG, wird angestrebt.

mehrweniger

Abteilung Integration

PROJEKT: Revis(ualis)ing Intersectionality, gefördert durch die Volkswagenstiftung
PROJEKT: Thüringer Zuwanderungs- und Integrationsbericht, im Auftrag der Landesregierung des Freistaats Thüringen
PROJEKT: Integrationsmonitoring der Bundesregierung