AD-NET-CARE - Adaptive Unterstützungsnetzwerke älterer Migrant*innen

 


Projekt: AD-NET-CARE - Adaptive Unterstützungsnetzwerke älterer Migrant*innen

Laufzeit: Januar 2020 – Dezember 2022

Projektkoordination:  Dr. Edward Omeni, Rani Pabst (studentische Mitarbeiterin)

Ehemalige Projektmitarbeiter*innen: Dr. Rosa Brandhorst


 

Inhalt und Fragestellung

Die ambulante und häusliche Pflege gehören zu den überwiegend akzeptierten Pflegeangeboten seitens pflegebedürftiger Migranten*innen. Diese Pflegeformen werden durch Unterstützungsnetzwerke gesichert. Dazu gehören Familienangehörige, Ärzte, Pflegekräfte, aber auch Freunde und Nachbarn, die ältere Menschen in alltäglichen Situationen unterstützen. Internationale Migration, berufsbedingte Pendlermobilität, Mangel an bezahlbarem und altersgerechtem Wohnraum, finanzieller und zeitlicher Druck und psychologische Belastung führen dazu, dass Familien oft zwischen ‚guter Pflege, die zu teuer ist‘ und ‚bezahlbarer Pflege, die gut genug ist‘ wählen müssen, wobei ihre Entscheidungen sowohl von der gesetzlichen Regulierung als auch der Charakteristika des Wohnorts abhängig sind. Telemedizin und weitere Technologie (ambient assisted living AAL) können komplementär in der Pflege eingesetzt werden. Das Projekt fragt, wie ältere Migrant*innen und deren Familien die Pflege organisieren, ob sie ihre Unterstützungsnetzwerke um migrantische Pflegekräfte erweitern, ob sie im Bereich (Tele-)Medizin/AAL besondere Bedürfnisse haben (und wenn ja, ob diese realisiert werden können) oder ob sie auf transnationale Netzwerke und Pflege bzw. Versorgung im Ausland zurückgreifen.

Forschungsfragen

Angesichts der Wissensdefizite zu Unterstützungsnetzwerken und Technologienutzung durch ältere Migrant*innen in Deutschland fragt das Projekt nach:

1) gesetzlichen Bedingungen für Unterstützungsnetzwerke, insbesondere bezüglich der Verfügbarkeit der migrantischen und technischen Hilfe in der Pflege

2) Bedeutung der lokalen Kontexte (Populationsdichte, Wirtschaftslage, materielle Infrastruktur) für die Gestaltung der Unterstützungsnetzwerke

3) Reaktionen der Unterstützungsnetzwerke auf Änderungen in Kontextbedingungen (gesetzliche Regulierung, Verfügbarkeit der Technologie, Migration/Mobilität, ökonomische Deprivation am Wohnort/finanzielle Lage der Familie)

4) Akzeptanz der Technologie im Alter in der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund und deren Familienangehörigen

5) Entscheidungsfindung für bestimmte Konstellationen der Netzwerke (Familie, Freunde, Nachbarschaft, Technologie, migrantische Pflegekräfte)

6) Verhandlungen von Intimität in den Unterstützungsnetzwerken (zwischen Status, Alters- und Geschlechtergruppen)

7) Verhandlungen von Geschlechterrollen innerhalb der Netzwerke, u. a. im Hinblick auf die Pflege durch Männer. 

 


Methodik 

 

Als empirische Basis der Studie dienen narrative Interviews mit Migranten/älteren Migrantinnen/deren Familien und Angehörigen sowie Experten Interviews. Je nach Situation werden ethnografische Methoden eingesetzt. 
Interviews werden nach dem Prinzip der maximalen Differenzierung ausgewählt, nach den folgenden Kriterien:

– Unterschiede in räumlicher Mobilität im Netzwerk sowie in Bezug auf strukturelle Aspekte der Unterstützungsnetzwerke, z.B. der Familienkonstellationen (Anzahl und Alter der Kinder, Enkeln, Geschwistern), deren räumlichen Verortung, Herkunft, Pflegearrangements

– Unterschiede in räumlicher Dichte des Netzwerkes und in Bezug auf regionale und lokale Geschichte der Zuwanderung, die wirtschaftliche Situation, Bevölkerungsdichte, öffentliche Infra-strukturen, Wohnraumverfügbarkeit und -Struktur, Zugänglichkeit der Pflegeleistungen und ärztlicher Versorgung.

 

mehrweniger