Die Erfassung von Mehrfachdiskriminierung und ihrer Dynamiken


Projekt 2.02: Die Erfassung von Mehrfachdiskriminierung und ihrer Dynamiken

Beginn: 1.7.2018

Dauer: 2 Jahre

Mitarbeiter: 


In diesem Projekt soll eine empirische Datengrundlage zur Erfassung von Mehrfachdiskriminierungen geschaffen werden, die im Kontext der Einwanderungsgesellschaft Deutschland eine Rolle spielen. Die in amtlichen Statistiken und empirischen Studien üblicherweise verwendete Kategorie des „Migrationshintergrunds“ (MH) ist nicht ausreichend, um die vielschichtigen und ganz unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen zu erfassen, denen Menschen in der Einwanderungsgesellschaft ausgesetzt sind.

Zunächst ist die Entwicklung von geeigneten Kategorien (jenseits des MH) zur Sichtbarmachung von Diskriminierungserfahrungen notwendig. Hier spielen neben dem ethnischen Hintergrund (Rassismus) auch das Geschlecht (Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit), die Religionszugehörigkeit und die soziale Schichtzugehörigkeit (Klassismus) eine wichtige Rolle. Das Projekt versucht auch eine Erfassung der Diskriminierungsformen von sichtbaren Minderheiten, d.h. bspw. die Erfassung von Anti-Schwarzem-Rassismus.

Daran anknüpfend soll der Blick auf das Zusammenwirken verschiedener Formen von Diskriminierung gerichtet werden, wobei der Unterschied von Selbst- und Fremdzuschreibung von Identitäten (z.B. Benachteiligung, Bevorzugung etc.) berücksichtigt wird. Grundsätzlich handelt es sich dabei nicht um die bloße Addierung von Diskriminierungen; stattdessen ist anzunehmen, dass sich unterschiedliche Formen der Diskriminierung gegenseitig beeinflussen und verstärken. Es bedarf einer voraussetzungsvollen empirischen Grundlage, um die komplexen Dynamiken, mit denen Menschen aufgrund ihrer (selbst/-zugeschriebenen) Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen diskriminiert werden, abzubilden.

Das Vorhaben soll als eine Machbarkeitsstudie zur qualitativen und quantitativen Erfassung von Mehrfachdiskriminierung durchgeführt werden. Am Anfang steht dabei eine systematische Sichtung der nationalen und internationalen Literatur. Darauf aufbauend wird ein empirisch geeignetes Kategoriensystem entwickelt, entlang dessen einfach- und mehrfach-diskriminierte Angehörige dieser Kategoriengruppen bzw. Kombinationen dieser Kategoriengruppen für eine qualitative Befragung identifiziert werden. Die Auswertung der qualitativen Interviews mündet in einen ersten Zwischenbericht. Auf den qualitativen Ergebnissen aufbauend, werden Items zur quantitativen Erfassung von Mehrfachdiskriminierung entwickelt und in einer Online-Pilotstudie (kleine Samples in einzelnen Minderheitengruppen) getestet. Der Endbericht wird Empfehlungen dafür enthalten, ob die Umsetzung in ein umfangreicheres längerfristiges Projekt sinnvoll ist.