Lokale Konflikte um Migration


 

Laufzeit: 01.01.2021-31.12.2022

Projektleitung: Dr. Elias Steinhilper, Moritz Sommer

Projektmitarbeiter*innen: Philipp Srama, Marina Seddig, Hannah Helal, Lisa Götz (studentische Mitarbeiter*innen)

 


 

Inhalt

Die Politisierung und Polarisierung der (Zivil-)Gesellschaft in Deutschland hat sich im Zuge der Debatten um Zuwanderung in der jüngeren Vergangenheit sichtbar verstärkt. Als zentralen Indikator für gesellschaftliche Konflikte kommt der Untersuchung von Protestdynamiken eine zentrale Bedeutung für ein tiefgreifenderes Verständnis dieser Dynamiken zu. Allerdings ist das systematische Wissen über Protesteigenschaften und -dynamiken in Deutschland vor allem auf lokaler Ebene lückenhaft. Hier setzt das Forschungsprojekt „Lokale Konflikte um Migration“ an. Es baut auf dem Vorgängerprojekt zu „Konflikten um gesellschaftliche Teilhabe“ auf, in dem für zwei Pilotstädte systematische Analysen von lokalen Konflikten durchgeführt wurden. In der Fortsetzung wird eine Datenbank zu Konflikten um Migration und Protestereignissen in 12-16 deutschen Mittelstädten aufgebaut. So wird eine Datengrundlage geschaffen, die eine systematische Analyse und somit quantifizierende und vergleichende Aussagen über Eigenschaften und Dynamiken von lokalem Protest im Kontext des Themenfeldes Migration ermöglicht.

Die inhaltliche Zielsetzung umfasst dabei erstens einen belastbaren Erkenntnisgewinn für grundlegende Fragestellungen in Bezug auf migrationsbezogenen Protest: 

  • Welchen Stellenwert hat das Thema Migration in lokalen Protesten? Wie verändert sich der Anteil migrationsbezogener Proteste über Zeit?
  • Zeigt sich in lokalen Protestdynamiken eine zunehmende Polarisierung der (Zivil)
    Gesellschaft? Wie entwickelt sich das Verhältnis von Protesten für und gegen eine liberale Migrationspolitik? Zeigt sich eine Dynamik der Eskalation von Protesten um Migration?
  • Welche Unterschiede in den Konfliktdynamiken zeigen sich im Städtevergleich?

 

Darüber hinaus sollen zweitens unter Einbeziehung soziostruktureller und demografischer Merkmale, politischer und diskursive Gelegenheitsstrukturen sowie weiteren lokale Kontextfaktoren Protestmuster erklärt und Hypothesen aus der Konflikt- und Protestforschung überprüft werden:

  • Welchen Einfluss haben der lokale politische Kontext und die wirtschaftliche Lage auf Konflikte um Migration?
  • Welchen Einfluss haben die migrationsbedingte Vielfalt und der Zuzug an Geflüchteten auf lokale Konflikte um Migration?
  • Welchen Einfluss haben die lokale Organisation der Unterbringung von Geflüchteten (zentral vs. dezentral) und die Präsenz von Erstaufnahmeeinrichtung auf lokale Konflikte um Migration?

 

Um einen zusätzlichen Beitrag zur Vernetzung der Forschungslandschaft im Themenfeld lokale Konflikte um Migration zu leisten, erstellt das Projekt ein fortlaufendes Mapping aktueller Forschungsvorhaben zum Thema und stellt es digital der Öffentlichkeit zur Verfügung.


Methodik

 

Das Projekt basiert auf einem Methodenmix und kombiniert eine quantitative Protestereignisanalyse (PEA) mit qualitativen Interviews. In der PEA werden alle berichteten Protestereignisse auf Basis von Lokalzeitungsartikeln kodiert, um eine systematische Analyse von Umfang und Form von Protest auf kommunaler Ebene zu ermöglichen. Durch qualitative Interviews werden die quantitativen Befunde validiert und durch differenzierte Kontextanalysen ergänzt. Die Analyse fokussiert auf Mittelstädte (20.000-99.999 Einwohner*innen) da a) in diesem Siedlungstyp ähnlich viele Menschen leben wie in Großstädten, b) die Forschungslücke zu Protest jenseits von Großstädten besonders groß ist und c) dadurch Synergien mit inhaltlich verwandten Forschungsprojekten in anderen Sozialräumen erzielt werden können. In der theoretisch begründeten Fallauswahl werden Variation in der sozio-strukturellen Zusammensetzung und des politischen Kontexts berücksichtigt. Der Zeitraum der Analyse reicht dabei von 2014-2020, um mögliche Dynamiken um den „langen Sommer der Migration“ 2015, aber auch aktuelle Entwicklungen wie z.B. Protest während der COVID-19 Pandemie erfassen zu können.

 

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Projektpartner*innen

 

Das Projekt komplementiert und kooperiert mit Forschungsprojekten an den Instituten der DeZIM-FG: Der Fokus auf den lokalen Kontext ergänzt ein Projekt am WZB, das nationale Protestdynamiken nachvollzieht und an das Prodat-Projekt anknüpft. Der Fokus auf Mittelstädte sowie das Themenfeld Migration ergänzt ein anlaufendes Projekt am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ), das Protestdynamiken allgemein in vier deutschen Großstädten untersucht. Durch die Abstimmung des Erhebungsinstrumentes mit diesen beiden Projekten unter Beteiligung von Instituten aus der DeZIM-FG sind Vergleiche der Daten möglich.

 

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