Welches Diskriminierungsrecht wollen wir?


Laufzeit: 01.05.2021 – 31.12.2022

Projektteam: Samera Bartsch (Projektleitung), Sophia Aalders (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Isabella Kaul (Studentische Mitarbeiterin)


Inhalt

Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), welches 2006 in Kraft getreten ist, existiert in Deutschland ein zentrales Regelwerk für rechtlichen Diskriminierungsschutz. Dieses ist in seinem Anwendungsbereich auf die Bereiche Beschäftigung und das Zivilrecht beschränkt und umfasst einen abgeschlossenen Katalog an ausgewählten Diskriminierungsgründen. Es gibt neben der im Jahr 2016 veröffentlichten Evaluation des AGG‘s auch eine Vielzahl von weiteren rechts- und sozialwissenschaftlichen Studien sowie Publikationen von zivilgesellschaftlichen und politischen Akteuren, in denen Anregungen, Handlungsempfehlungen und Forderungen für die Fortentwicklung des Diskriminierungsschutzes in Deutschland formuliert werden.

Ziel unseres Forschungsprojekts ist, Einschätzungen zur Relevanz und Wirksamkeit der verschiedenen Reformvorschläge zu erfassen und notwendige Bedingungen für einen Wandel des bestehenden Antidiskriminierungsrechts zu identifizieren. Auf diesen Ergebnissen aufbauend sollen Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung des Diskriminierungsschutzes in Deutschland abgeleitet werden.

Im ersten Schritt wird mittels einer Literaturanalyse ein Überblick über die verschiedenen Reformvorschläge zur Weiterentwicklung des Antidiskriminierungsrechts sowie über die Akteure im Politikfeld Antidiskriminierung geschaffen. Anschließend werden über qualitative Interviews sowie eine Onlinebefragung die Akzeptanz der Reformvorschläge und Einschätzungen zu Relevanz und Wirksamkeit durch relevante Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft erfasst. Um Einschätzungen zur Reformfähigkeit des bestehenden Antidiskriminierungsrechts zu formulieren und notwendige Bedingungen für einen Wandel erkennen zu können, werden auch Netzwerkstrukturen und Überzeugungen (‚Beliefs‘) der relevanten Akteure im Politikfeld Antidiskriminierung erhoben. Als letzter Analyseschritt wird der gesammelte Datenkorpus orientiert am theoretischen Modell des Advocacy Coalition Framework ausgewertet.