Abteilung Migration


Die Abteilung Migration widmet ihre Arbeit vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Migrationsbewegungen, dass heißt der Wanderung von Menschen, sowie Verschiebungen und Veränderungen der Muster und Trends dieser Bewegungen einschließlich ihrer Dynamik. Wir differenzieren zwischen Mobilität im weiteren Sinne, dies kann auch kurzfristige Bewegungen sowie Wanderungen innerhalb von Staaten umfassen, und internationaler Migration zwischen Staaten (befristete und dauerhafte sowie auch Transit-, Weiter- und Rückkehrmigration). Zudem unterscheiden wir politisch zwischen Flucht und Migration, obwohl die Unterschiede in der Realität oft verschwimmen. Dabei decken wir die ganze Bandbreite der Migration von legaler Experten-, Arbeits- und Familienmigration bis zu Flucht- und irregulärer Migration ab. Dabei erkennen wir aber an, dass die meisten Menschen nicht migrieren, zumindest nicht international und längerfristig. Geographisch richtet sich der Fokus eher auf die Herkunftsregionen, sowie Staaten entlang der Wanderungsrouten (u.a. Süd- und Osteuropa, Balkan, Naher Osten und Nord- und Zentralafrika) und gegebenenfalls auch die Ziele der Weiter- oder Rückkehrmigration. Dies untersuchen wir vor dem Hintergrund teils fundamentaler sozialer Transformationsprozesse und geopolitischer Verschiebungen und Umbrüche.

Die zentralen Forschungsfragen richten sich an

  1. das Ausmaß und Richtungen,
  2. die ökonomischen und politischen Auslöser und Rahmenbedingungen aber gegebenenfalls auch der Hindernisse und
  3. die Organisation von Migration, zum Beispiel die Netzwerke und Infrarstruktur,
  4. sowie die individuellen Charakteristika, Motive, Aspirationen Entscheidungsprozesse und Auswahl der Ziele aber auch die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Migrierenden.

Wir werden gegenwärtige Beobachtungen im historischen und regionalen Kontext untersuchen, aus verschiedenen Perspektiven interpretieren (reframing) und herkömmliche Annahmen kritisch überprüfen, ggf. dekonstruieren und neu bewerten.

Wir arbeiten multi- und interdisziplinär und mit qualitativen und quantitativen Methoden, sind international mit vielen Instituten und Experten vernetzt und tauschen uns intensiv auf internationale Konferenzen aus. Schließlich haben wir teils eigene Migrationserfahrungen oder Hintergründe. Ziel ist es, die Migration nach, aus und durch Deutschland und in der Region sowie die Migrierenden besser zu verstehen und dementsprechend Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu informieren.


Projekte der Abteilung Migration


 

Projekt 3.01: Migration im familiären Kontext (Monitoring)

Ziel des Projektes ist der Aufbau einer langfristigen Beobachtung der transnationalen Familienbeziehungen von Zugewanderten in Deutschland sowie deren Effekte auf Migration und Integration. Ziel ist es, ein Monitoringsystem zu etablieren, das Auskunft über die Entwicklung der mit den Familienstrukturen verbundenen Zuwanderungs- und Abwanderungspotentiale gibt.


 

PROJEKT 3.02: SURVEY-ANSÄTZE ZUR ERFASSUNG IRREGULÄRER MIGRATION

Die Erfassung irregulärer Migration und der Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten mit fehlenden Aufenthaltstiteln sind eine besondere Herausforderung für die Sozialwissenschaften, da der Mangel an Verfügbarkeit entsprechender Daten ein großes Problem darstellt. Trotz der enormen Relevanz der mit der irregulären Migration verbundenen Phänomene werden sie in der sozialwissenschaftlichen Forschung bisher vernachlässigt. Einige vorhandene amtliche Datensätze erlauben zwar Rückschlüsse auf einzelne Formen des illegalisierten Aufenthaltes in aggregierter Form, entsprechende Mikrodaten fehlen jedoch weitgehend.


 

Projekt 3.03: Migrationshintergründe und Migrationsbetroffenheit in der deutschen Bevölkerung

Im Projekt sollen empirische Anhaltspunkte dafür ermittelt werden, wie verbreitet und ausgeprägt Migrationhintergründe in der deutschen Wohnbevölkerung sind, wenn man weiter in den Generationen zurückgeht. Im ersten Schritt werden dazu vorhandene Datensätze daraufhin überprüft, inwieweit sie Informationen über die Geburtsländer von Eltern, Großeltern etc. enthalten. In einem zweiten Schritt wird der Frage mit Survey-Methoden nachgegangen. Ausgehend von einer repräsentativen Stichprobe soll insbesondere versucht werden, über Schneeballverfahren an Eltern und noch lebende Großeltern zu gelangen.