Abteilung Migration

 


 

Um die komplexen Ursachen und Folgen unterschiedlicher Konjunkturen und Formen der Migration zu erforschen, braucht es einen multi-dimensionalen und transnationalen Blick auf Migrations- und Fluchtprozesse sowie eine Vielfalt disziplinärer Zugänge. Gefragt sind integrierte Ansätze, die sowohl mit quantitativen Methoden auf Individual- sowie gruppenspezifischer Aggregatebene Daten auswerten, als auch Forschungen, die institutionelle, rechtliche und politische Strukturen und Prozesse analysieren.

Die Abteilung Migration hat sich vier Forschungsschwerpunkte gesetzt:

1. Migrations- und Fluchtursachen

Mobilitätsentscheidungen lassen sich nicht auf einzelne (oftmals mit dem Begriffspaar „pull“ und „push“ belegte) Faktoren zurückführen, sondern sind Resultate von komplexen und dynamischen Entscheidungsprozessen, in denen (potenzielle) Migrant*innen als Akteure verschiedenen Bezugsebenen zueinander in Beziehung setzen (z.B. Familie, Nachbarschaft, Migrationsinfrastruktur, potenzielle Transit- und Zielregionen etc.). Dieser Forschungsschwerpunkt stellt die Multidimensionalität von Migrationsentscheidungen und Diversität von Migrationserfahrungen ins Zentrum und befasst sich etwa mit der Frage, wie migrationsrelevante Faktoren durch unterschiedliche Akteure gewichtet werden und welche Mobilitätsdynamiken damit verbunden sind.

 

2. Migrationssteuerung

Migrationssteuerung, so sie von demokratischen Rechtsstaaten ausgeht oder diese involviert, steht in einem Spannungsfeld zwischen dem Handeln politischer Akteure und verschiedenen, letztlich in den Menschenrechten gründenden Rechtsordnungen. Auf räumlicher Ebene ist dieses Spannungsfeld heute beispielsweise in Externalisierungsprojekten verortet, die die EU in ihren Anrainerstaaten umzusetzen versucht. Wie und mit welchen Folgen vermitteln unterschiedliche Akteure zwischen den verschiedenen Interessen der beteiligten Staaten, internationalen Organisationen, lokalen Ökonomien und Bevölkerungen? Inwiefern bilden sich in der Folge neue (inter)nationale Migrationsregime aus?

 

3. Transnationale Zivilgesellschaften

Zivilgesellschaftliche Akteure (z.B. soziale Bewegungen, Parteien, Verbände, Medien und NGOs) überschreiten zunehmend den Rahmen nationaler Öffentlichkeiten und fordern die nationalstaatliche Souveränität heraus. Als relevante Akteure für transnationale Migrations- und Integrationsprozesse stehen sie im Fokus dieses Forschungsschwerpunkts. Ein Beispiel dafür sind Organisationen, die mit privaten Schiffen Seenotrettung auf dem Mittelmeer durchführen. Auch Migrant*innen bewegen sich in transnationalen politischen Räumen, indem sie in den Aufnahme- und Herkunftsregionen als zivilgesellschaftliche und politische Akteure in Erscheinung treten.

 

4. Folgen von Migration und Flucht

Ein wichtiger Forschungsbereich befasst sich mit den Auswirkungen von (Flucht)migration, wobei der Fokus auf jenen geographischen Räumen liegt, die heute für Flucht und Migration nach Deutschland eine wesentliche Rolle spielen. Dazu zählen etwa die erweiterte MENA Region (erweiterter Mittlerer Osten und Nordafrika), sowie einzelne zentrale Transit- und Aufnahmeländer Ostafrikas (z.B. Äthiopien). Hier spiegelt sich die Grundüberlegung wieder, dass sich Migrations- und Integrationserfahrungen in den Herkunfts- und Transitkontexten sowohl auf nachfolgende Migrationsdynamiken auswirken, als auch auf Integrationsverläufe in Deutschland.


Projekte der Abteilung Migration

 

Laufende Projekte:

COVID-19 und die Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge im Transit

Dieses Projekt untersucht die Frage, welche sozialen Determinanten den Zugang zur Gesundheitsversorgung bestimmen. Es kommen hierbei auch (sozial)räumliche, flüchtlingsrechtliche und geografische Aspekte ins Spiel, also etwa Unterschiede zwischen Bewohner*innen von Lagern und anderen Unterbringungsarten, Herkunftsländern oder auch des jeweiligen Schutzstatus.


 

„Trickling down to dysfunction“ – globale Normen und lokale Praktiken

Das vorliegende Projekt untersucht Diskrepanzen zwischen globalen Normen und lokalen Praktiken, indem es die lokalen Umsetzungsstrategien und Ergebnisse des sogenannten "Comprehensive Refugee Response Framework" (CRRF) (deutsch: Umfassender Rahmenplan für Flüchtlingshilfemaßnahmen) sowohl für Geflüchtete, als auch für die Aufnahmegesellschaft in Äthiopien analysiert.


 

Aushandlungsprozesse im internationalen Flüchtlingsregime

Dieses Projekt untersucht, wie Aushandlungsprozesse im globalen Flüchtlingsregime ablaufen. Dabei liegt ein Fokus auf den langfristigen Folgen der EU-Externalisierungspolitik auf die Bereitschaft zur Flüchtlingsaufnahme von Drittstaaten.


 

Seenotrettung im Mittelmeer

Dieses Projekt untersucht die Frage, ob und in welchem Umfang Such- und Rettungseinsätze (SAR) einen sogenannten "Pull-Effekt" auf die Migration haben.


 

Architektur und Planung von Flüchtlingslagern

Das Projekt geht der Frage nach, ob Flüchltingslager speziell darauf ausgerichtet, die Rückkehr zu fördern und zu sichern und wenn ja, ob dies gelingt. Haben bauliche oder raumplanerische Aspekte Folgen für die Mobilitätsstrategien von Menschen auf der Flucht?


 

Abgeschlossene Projekte

Schätzmethoden und Surveyansätze zur Erforschung Irregulärer Migration

Dieses Projekt untersucht, welche quantitativen Methoden in der Erforschung irregulärer Migrantenpopulationen in Deutschland zur Anwendung kommen könnten, um diese dann zu testen und deren Lebenslagen quantitativ zu erforschen.


 

Projekt: Perspektive der unbegleiteten minderjährigen Ausländer*innen (UMA) in Deutschland

Die Studie widmet sich dem subjektiven Empfinden der eigenen Lebenssituation von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten und jungen Volljährigen, die zwischen November 2015 und 2019 unbegleitet nach Deutschland eingereist sind und (vorläufig) in Obhut genommen wurden.


 

Projekt: Transnationale Familien (ggf. Monitoring) 

Ziel des Projektes ist der Aufbau einer langfristigen Beobachtung der transnationalen Familienbeziehungen von Zugewanderten in Deutschland sowie deren Effekte auf Migration und teils auch Integration. Ziel ist es, ein Monitoringsystem zu etablieren, das Auskunft über die Entwicklung der mit den Familienstrukturen verbundenen Zuwanderungs- und Abwanderungspotentiale gibt.


 

Projekt: Migrationsaspirationen von syrischen Flüchtlingen in der Türkei vor dem Hintergrund ihrer familiären Situation

Das Projekt untersucht insbesondere den Familienkontext, die Rolle getrennter Familien und Überlegungen zum Familienwohl als Migrationsgrund, außerdem Migrationsentscheidungsprozesse im Familienverband sowie daneben auch die Perzeption von Flüchtlings- und sozialen Rechten in der Türkei, der EU und insbesondere in Deutschland.


 

Projekt: Migrationsordnungs-, -system und -regimeanalyse sowie Entwicklung von zukünftigen Migrationsszenarien

Dieses Projekt dient vor allem dazu, die Position und Rolle der Bundesrepublik Deutschland in der regionalen Migrationsordnung als Zielland von Migration im regionalen Kontext zu verstehen, aber auch mögliche zukünftige Migration besser abschätzen zu können.


 

Projekt: Fluchtbiographien, Familienstrukturen und Rückkehrpläne von Frauen mit Asylberechtigung und subsidiärem Schutz

In diesem Projekt soll diese Perspektive mit ausführlichen qualitativen Tiefeninterviews ergänzt werden. Dabei sind vor allem auch Unterstützungsbedarfe und mittel- und langfristigen Migrationsaspiration, insbesondere die Rückkehrorientierungen der Frauen von Interesse.


 

Drittmittel-Projekt: Cross-Migration ‘Current European and Cross-National Comparative Research and Research Actions on Migration’

Dieses Projekt bringt deshalb 16 führende Forschungsinstitute überwiegend aus dem IMISCOE Netzwerk (International Migration, Integration and Social Cohesion) (vormals ein EU-gefördertes Network of Exellence) und politische Institute sowie internationale Organisationen zusammen mit dem Ziel, diese Lücke sachkundig zu füllen und einen zentralen Knotenpunkt (‘Hub’) zu schaffen.


 

Drittmittel-Projekt: Erwerbskräftepotenzial von Ehegattinnen und Ehegatten im Zuzug aus dem EU-Ausland und aus Drittstaaten

Das Projekt befasst sich mit dem Erwerbskräftepotenzial von Ehegattinnen und Ehegatten, die im Rahmen des Familiennachzuges in die Bundesrepublik kommen.