Migrationshintergründe und Migrationsbetroffenheit in der deutschen Bevölkerung


Projekt 3.03: Migrationshintergründe und Migrationsbetroffenheit in der deutschen Bevölkerung

Beginn: 1.11.2018

Dauer: 2 Jahre

Mitarbeiter: 


In den aktuellen gesellschaftlichen Debatten entsteht zuweilen der Eindruck, dass der sogenannte ‚Migrationshintergrund‘ als ein klar definiertes, im Extremfall binäres Merkmal verstanden wird. Dies trägt mit zur Polarisierung der Diskussion um Zuwanderung und Integration bei. Tatsächlich ist der Migrationshintergrund jedoch ein sehr graduelles und vielschichtiges Konzept, das im Einzelfall komplexe Kombinationen von Migrationserfahrungen in den Vorgängergenerationen aufweisen kann. Existierende Vorstellungen einer eindeutig definierten ‚einheimischen‘ Bevölkerung, der bestimmte Privilegien zugestanden werden, die anderen vorenthalten werden, beruhen wahrscheinlich zu einem erheblichen Teil auch auf einem Nichtwissen darüber, wie verbreitet Spuren von Migrationserfahrungen in der als „einheimisch“ wahrgenommenen Bevölkerung faktisch sind, wenn man nur zwei, drei Generationen zurückgeht. Beispielsweise wurde im ‚Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four European Countries (CILS4EU)‘ eine repräsentative Stichprobe von 14-Jährigen in Deutschland nach dem Geburtsland von Eltern und Großeltern befragt und nur in knapp unter 60% der Fälle sind alle sieben Personen (die jugendlichen Respondenten eingeschlossen) in Deutschland geboren.

Im Projekt sollen empirische Anhaltspunkte dafür ermittelt werden, wie verbreitet und ausgeprägt Migrationhintergründe in der deutschen Wohnbevölkerung sind, wenn man weiter in den Generationen zurückgeht. Im ersten Schritt werden dazu vorhandene Datensätze daraufhin überprüft, inwieweit sie Informationen über die Geburtsländer von Eltern, Großeltern etc. enthalten. In einem zweiten Schritt wird der Frage mit Survey-Methoden nachgegangen. Ausgehend von einer repräsentativen Stichprobe soll insbesondere versucht werden, über Schneeballverfahren an Eltern und noch lebende Großeltern zu gelangen. Damit kann auch die Validität von Proxy-Angaben geprüft werden, d.h. wenn die Befragte selbst Angaben zu Geburtsländern oder Staatsangehörigkeiten ihrer Eltern und Großeltern machen. Um weitere Migrationsbezüge zu erheben, werden auch Angaben über angeheiratete und weitere Verwandte, Freunde etc. erfasst. Neben der repräsentativen Stichprobe soll auch eine Sonder-Stichprobe von Hobby-Ahnenforschern befragt werden. Es ist davon auszugehen, dass sie relativ valide Informationen bis in tiefere Generationen besitzen, und es soll analysiert werden, inwieweit diese mit Hilfe des repräsentativen Samples auf die Gesamtbevölkerung hochrechenbar sind.

Die Ergebnisse werden zeigen, wie stark auch die vermutliche ‚Mehrheit‘ der deutschen Bevölkerung in ihren Ahnenlinien von Migration betroffen ist, und damit evtl. helfen, die Normalität von Migration deutlicher zu machen. Es wird ebenso analysiert, ob es bestimmte Cluster von typischen Ahnenlinien gibt und ob damit bestimmte Einstellungen zusammenhängen.