Survey-Ansätze zur Erfassung irregulärer Migration


Projekt 3.02: Survey-Ansätze zur Erfassung irregulärer Migration

Beginn: 1.9.2018

Dauer: 2 Jahre

Mitarbeiter: 


Die Erfassung irregulärer Migration und der Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten mit fehlenden Aufenthaltstiteln sind eine besondere Herausforderung für die Sozialwissenschaften, da der Mangel an Verfügbarkeit entsprechender Daten ein großes Problem darstellt. Trotz der enormen Relevanz der mit der irregulären Migration verbundenen Phänomene werden sie in der sozialwissenschaftlichen Forschung bisher vernachlässigt. Einige vorhandene amtliche Datensätze erlauben zwar Rückschlüsse auf einzelne Formen des illegalisierten Aufenthaltes in aggregierter Form, entsprechende Mikrodaten fehlen jedoch weitgehend. Es gibt einige Studien kleineren Umfangs, denen es in begrenztem Ausmaß gelungen ist, illegalisierte Migrantinnen und Migranten zu befragen. Insgesamt ist der Bedarf an validen und breiteren Datensätzen groß, geeignete Lösungen und Strategien befinden sich aber noch in der Aufbauphase. Ein jüngst vom Population Europe Network bzw. dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung veröffentlichtes Discussion Paper (7/2018) hat zumindest für die Situation in Deutschland einen ersten Überblick über die Datenlage (IAB-BAMF-SOEP Flüchtlingssurvey, Kriminalitätsstatistiken) und den weiteren Forschungsbedarf zusammengestellt.

In der internationalen Forschung haben einige Surveys wichtige Beiträge zur Analyse undokumentierter, irregulärer und unautorisierter Migration geleistet. 2016 wurden in den Annals of the American Academy of Political and Social Science (666:1) entsprechende Arbeiten aus unterschiedlichen Teilen der Welt (vorwiegend Nord- und Südamerika, Europa) veröffentlicht. Dabei kam vor allem der sogenannte Ethnosurvey zum Einsatz; eine Kombination aus qualitativer und quantitativer Befragung. Insbesondere der vertrauliche Interviewkontext macht ihn für Informationen über illegalisierte Aufenthalte geeignet. Er setzt bislang aber vorwiegend in den Sendeländern an. Im Projekt soll in kleinem Umfang und regional begrenzt getestet werden, ob der Ethnosurvey in der Lage ist, irreguläre Migrationen und die Lebenssituation von Familien mit illegalisiertem Status zu erfassen. Dies kann eventuell in Kombinationen mit Methoden des Respondent Driven Samplings erfolgen, einem auf der Basis von Zusatzinformationen gewichteten „Schneeballverfahren“, in dem über soziale Netzwerke der Befragten weitere Teilnehmende rekrutiert werden. Die entsprechende Studie bildet den Kern des Projekts. Vorbereitende Arbeiten sind ein ausführlicher Überblick über survey-gestützte internationale Studien zur irregulären Migration, die Entwicklung des Erhebungsinstruments sowie eine Evaluation des Einsatzes von Respondent Driven Sampling-Methoden.