Konflikte um gesellschaftliche Teilhabe


Projekt: Konflikte um gesellschaftliche Teilhabe (Teilhabekonflikte)

Laufzeit: 01.09.2018 – 31.12.2020

Projektteam: Dr. Elias Steinhilper (Projektkoordination) Moritz Sommer


 

Inhalt und Fragestellung

Alle Gesellschaften, auch die postmigrantische deutsche, sind von Konflikten um gesellschaftliche Teilhabe geprägt. In der Auseinandersetzung mit Themen wie Arbeit, soziale Ungleichheit, Migration, Geschlechterrollen, Umwelt und Stadtentwicklung entstehen ständig mehrdimensionale Konfliktkonstellationen. Deren Basis bilden häufig multiple soziale Ungleichheiten und damit verbundene Entfremdungserfahrungen. Soziale Bewegungen und Protest sind dabei einerseits Ausdruck und Frühwarnsystem solcher Konflikte. Protestereignisse prägen andererseits aber auch, z.B. durch ihr Framing, öffentliche Diskurse um Zugehörigkeit, Identität und gesellschaftliche Missstände und beeinflussen damit die Wahrnehmung von gesellschaftlicher Teilhabe.

Es sind daher Forschungsarbeiten notwendig, die entsprechende Konfliktlagen empirisch erfassen, Dynamiken darstellen und eine Erkenntnisgrundlage bieten, um demokratische und menschenrechtsorientierte Aushandlungsprozesse zu fördern. Untersucht werden sollten ausdrücklich sowohl Mobilisierung für als auch gegen Teilhabe bestimmter Gruppen. Trotz ihrer Bedeutung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Verhandlung von Teilhabe im postmigrantischen Deutschland wurden Teilhabekonflikte bislang nicht systematisch empirisch erhoben. Dies gilt insbesondere für den lokalen Kontext, in dem Teilhabe tagtäglich hergestellt, herausgefordert und verhandelt wird. Hier setzt das Forschungsprojekt an und untersucht drei zentrale Dimensionen von Protest: (1) die quantitative Entwicklung von Protest über Zeit, (2) die Vernetzung von Protestträger*innen, und (3) die subjektiven Wahrnehmungen und Forderungen der beteiligten Akteur*innen.

 


Methodik

 

Das Projekt wendet einen Methodenmix aus quantitativen und qualitativen Verfahren an, um die drei oben genannten Dimensionen von Protest zu erfassen. Erstens werden auf Basis einer Protestereignisanalyse in zwei deutschen Mittelstädten (Fallstudien) die Eigenschaften aller in Lokalzeitungen berichteten Proteste zwischen 2014 und 2018 erhoben. Dazu werden in einer spezifischen Form der quantifizierenden Inhaltsanalyse qualitative Daten aus Lokalzeitungen in eine Protestdatenbank überführt und ausgewertet. Zweitens wird in den zwei Städten die Vernetzung der Protestträger*innen anhand einer Online-Netzwerkanalyse nachvollzogen. Eine Analyse der digitalen Protestnetzwerke vermittelt dabei einen Eindruck, wie Akteur*innen im Zeitverlauf untereinander und zu dritten vernetzt sind, sowie welche Inhalte in Netzwerken zirkulieren und aktiv kommuniziert werden. Drittens werden qualitative Interviews mit Protest-Organisator*innen geführt, um deren Forderungen und Perspektive auf Teilhabekonflikte zu erfassen. Diese Interviews dienen zudem dazu, die in der Protestereignisanalyse und der Online-Netzwerkanalyse gewonnen Erkenntnisse zu triangulieren und validieren. Viertens wird der Fokus auf lokale Kontexte bei relevanten (nationalen) Protestgroßereignissen um vor Ort-Protesterhebungen ergänzt.

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Arbeitsschritte (2 Jahre)

 

1. Quartal 2020

Veröffentlichung erster empirischer Projektergebnisse in einem Working Paper. Fortsetzung der Protestereignisanalyse. Durchführung der Online-Netzwerkanalyse. Vorbereitung wissenschaftlicher Fachpublikationen.

2. Quartal 2020

Durchführung der qualitativen Interviews in beiden Fallstudien. Auswertung der Fallstudien im Vergleich; Fachveranstaltung mit Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft.

3. und 4. Quartal 2020

Verschriftlichung der Projektergebnisse und Abschlussbericht.

 

 

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Projekt Veranstaltungen – Tagungen – Workshops

  • Projektvorstellung Sabrina Zajak und Elias Steinhilper, Vernetzung mit DJI; BMFSFJ, 22. Februar 2019.
  • Gruppendiskussion/Dialogtreffen "Protestsurveys" mit Vertreter*innen aus MSOs und NGOs, 29. März 2019, DeZIM. 
  • Methodenworkshop Protestsurveys I: Befragungsmodus, Stichprobe, Incentives; 29. März 2019; DeZIM.
  • Elias Steinhilper, Ko-Organisation Internationale Konferenz “The Contentious Politics of Solidarity” (mit Prof. Donatella della Porta); 16.-17. Mai 2019, Scuola Normale Superiore, Florenz.
  • Methodenworkshop Protestsurveys II: Fragebogen; 14. Juni 2019, DeZIM.
  • Vortrag Elias Steinhilper zu „Protest im postmigrantischen Deutschland“, BpB Konferenz „Auf der Straße – Protest in Deutschland“, 17.-18. Juni, Hamburg. 
  • Methodenworkshop Protestereignisanalysen; 31. Oktober 2019, DeZIM.

 

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Projekt – Veröffentlichungen

  • Sabrina Zajak und Elias Steinhilper, Blog-Beitrag; „Potential und Herausforderungen von Protestbefragungen in diversen Gesellschaften“, in ipb-Blog, 28. Januar 2019.
  • Elias Steinhilper, Zeitschriftenartikel: „Licht und Schatten eines Booms. Zur Re-Dynamisierung migrationsbezogener Bewegungsforschung“, Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 2/2019, S. 301-310.
  • Elias Steinhilper und Sabrina Zajak, Gastherausgabe eines Themenhefts des Forschungsjournals Soziale Bewegung mit dem Titel: „Umkämpfte Teilhabe. Pluralität, Konflikt und Soziale Bewegung“, im Erscheinen.

 

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