Transnationale Familien (ggf. Monitoring)

 


Projekt: Transnationale Familien (ggf. Monitoring)

Laufzeit: 01.11.2018 – 31.12.2020

Projektkoordination: Dr. David Schiefer

 


 

Inhalt und Fragestellung

Migrationsprozesse lassen sich nur angemessen verstehen, wenn man sie nicht nur als individuelle Handlungen, sondern als Teil komplexer familiärer Gesamtstrategien betrachtet. Infolge von Migrationen einzelner Familienmitglieder entstehen transnationale Beziehungsstrukturen, die für das Verständnis von Nach-, Rück- oder Weiterwanderungen sowie schlussendlich auch für die Integrationspfade der Zugewanderten mitbestimmend sind. Bekannt sind etwa Phänomene wie Fernbeziehungen, getrennte Familien (freiwillig oder aufgrund rechtlicher Barrieren), Migrationswaisen, ferngesteuerte Pflege oder Skype-Eltern. Während darüber in der theoretischen Migrationsforschung Konsens besteht, existieren nur unzureichende quantitative empirische Erhebungen dieser Phänomene. Nicht zuletzt die Diskussion um den Familiennachzug subsidiär Schutzberechtigter hat gezeigt, dass es an gesichertem systematischen Wissen über die genauen Muster der transnationalen Familienbeziehungen sowie über deren tatsächliche Effekte auf Migrations- und Integrationsprozesse fehlt.

Ziel des Projekts ist daher der Aufbau einer langfristigen Beobachtung der transnationalen Familienbeziehungen von Zugewanderten in Deutschland sowie deren Effekte auf Migration und teils auch Integration. Ein Monitoringsystem soll etabliert werden, das Auskunft über die Entwicklung der mit den Familienstrukturen verbundenen Zuwanderungs- und Abwanderungspotenziale sowie der Integrationsprozesse gibt.


Methodik

 

Zunächst wird eine Literaturrecherche durchgeführt sowie bestehende Datensätze auf ihre Relevanz für dieses Projekt geprüft. In einer zweiten Phase werden die Grundzüge eines Monitorings entwickelt. Dabei werden transnationale Forschungsdesigns angestrebt, die es erlauben, den transnationalen Forschungsgegenstand, also Familienbeziehungen über Grenzen hinweg, zu erforschen. Dies beinhaltet insbesondere Erhebungen in Deutschland sowie im Ausland.

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Aktueller Stand

 

In der ersten Phase des Projekts wurden zunächst der internationale theoretische und empirische Erkenntnisstand systematisch erhoben und aufbereitet. Dies dient u. a. auch der Vorbereitung der Identifikation von geeigneten Indikatoren, die für ein Monitoring relevant sind. Darüber hinaus wurden der nationale Austausch, etwa mit dem BIB, sowie die internationale Kooperation gesucht. Resultat ist, dass sich das Projekt mit transnationalen Familien aller Herkunftsstaaten und Nationalitäten, mit verschiedenen ausländerrechtlichen Status (Aussiedler*innen, Migrant*innen und Geflüchtete) und mit Personen mit ganz unterschiedlicher Aufenthaltsdauer beschäftigen wird. Daraus sind bislang ein Projektpapier, eine Konferenzpräsentation, ein wissenschaftlicher Aufsatz sowie ein erfolgreicher Projektantrag hervorgegangen.

 

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Weitere Arbeitsschritte

 

Im nächsten Schritt werden vorhandene nationale und internationale Standarddatensätze, aber auch kleinere Erhebungen systematisch daraufhin überprüft, inwieweit sie die benötigten Informationen enthalten. Daraufhin werden wir uns mit Methoden transnationaler Forschung vertraut machen und anschließend ein Forschungsdesign entwickeln, das dem Forschungsgegenstand transnationale Praktiken gerecht wird. Insbesondere beabsichtigen wir ein Design, das auch eine Datenerhebung unter jenen Familienangehörigen beinhaltet, die sich außerhalb Deutschlands, das heißt im Herkunfts- und Transitkontext, aufhalten. Am Ende des Projekts stehen eine Empfehlung, ob und wie eine entsprechende Langzeitbeobachtung aufgebaut werden kann, und ein Projektantrag für die konkrete Umsetzung.

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