Expert*innentreffen zu Digitalen Migrationsinfrastrukturen am DeZIM-Institut

Expert*innen-Konsultationen zu Digitalen Migrationsinfrastrukturen am DeZIM-Institut


 

Im Rahmen des EU Horizon 2020 „Cross-Migration“ Projektes hat das DeZIM Expert*innen-Konsultationen in Berlin abgehalten. Während sich ein Expert*innen-Treffen im Juni 2019 allgemein um das Arbeitspaket des DeZIMs zu Infrastrukturen der Migration drehte – also jenen Infrastrukturen, die Menschen nutzen, um zu migrieren – ging es am vergangenen Freitag, 14. Februar gezielt um den digitalen Aspekt der Infrastrukturen der Migration.

In den vergangenen Jahren hat sich die Forschung zu der Frage, wie Menschen digitale Medien auf der Flucht nutzen – und wie sich Flucht und Migration durch die Digitalisierung verändert haben, sehr stark entwickelt. Neun internationale Experten und Expertinnen diskutierten das Thema und ihre jeweiligen Forschungsperspektiven am DeZIM – mit dabei waren Prof. Amanda Alencar (Erasmus Universität Rotterdam, Niederlande), Margie Cheesman (Universität Oxford, UK), Prof. Vasilis Galis (IT Universität Kopenhagen, Dänemark), Prof. Marie Gillespie (Open University, UK), Prof. Jussi Jauhiainen (Universität Turku, Finnland), Raffaella Pagogna (Universität Wien), Hannah Pool (MPI Köln), Julia Stier (bald am WZB Berlin) sowie Dr. Ingmar Weber (Qatar Computing Research Institut).

Bei den Konsultationen wurden der Wissenstand sowie die Forschungslücken im Bereich digitaler Migrationsinfrastrukturen diskutiert. Obwohl es schon einige Literatur zum Thema gibt, zeigte sich, dass besonders die Regionen im Globalen Süden in Hinblick auf Digitalisierung und Flucht noch wenig erforscht sind. Wichtig sei es zudem, Digitalisierung nicht als isoliertes Thema zu beleuchten, sondern die virtuelle mit der realen Welt zusammen zu denken – schließlich finden beispielsweise Konversationen über Facebook und WhatsApp oftmals nicht statt ohne dass die Personen sich bereits „offline“ kennen gelernt haben. Wichtig sei es auch, digitale Technologien nicht ausschließlich als Gewinn zu definieren – obwohl sie vielen Menschen die Flucht erleichtern, werden sie oftmals auch zur Kontrolle und Überwachung eingesetzt.

Außerdem ging es bei den Konsultationen um unterschiedliche wissenschaftliche Methoden und ethische Überlegungen. Die Methoden reichten von der Nutzung von big data, also großen Datensätzen, die z.B. von Google oder Facebook gesammelt werden, über klassische qualitative und quantitative Sozialforschung bis hin zu ethnografischen Methoden. Besonders wichtig sei es dabei, Machthierarchien zwischen privilegierten, oftmals weißen, westlichen Wissenschaftler*innen und vulnerablen Gruppen wie geflüchteten Menschen mitzudenken und ihre Daten in besonderer Weise zu schützen.