Lunch Discussion 2 Digitalisierung, Migration und Flucht

Lunch Discussion zu „Digitalisierung, Migration und Flucht“


 

Am 13. Februar fand am DeZIM Institut eine Lunch Discussion zum Thema „Digitalisierung, Migration und Flucht“ statt, bei der die beiden Wissenschaftler*innen, Prof. Amanda Alencar (Erasmus Universität Rotterdam, Niederlande) und Prof. Jussi Jauhiainen (Universität Turku, Finnland) über den Einfluss digitaler Technologien auf Flucht und Migration sprachen.

Die Lunch Discussion fand im Rahmen des EU Horizon 2020 Projektes „Cross-Migration“ statt, bei dem DeZIM Wissenschaftler*innen den Wissensstand zu Migrationsinfrastrukturen erarbeitet hatten. Migrationsinfrastrukturen sind jene Infrastrukturen, die Migration ermöglichen und erleichtern - hierbei spielen digitale Infrastrukturen eine immer wichtigere Rolle. Die Lunch Discussion wurde am folgenden Tag, Freitag, 14. Februar mit Expert*innen-Konsultationen zum selben Thema ergänzt.

„Digitale Technologien werden für sehr unterschiedliche Ziele von Migrant*innen genutzt. Zur Orientierung, zur Kommunikation und zum Netzwerken und um Informationen zu erhalten.“, sagte Prof. Amanda Alencar während ihres Vortrages. Sie beleuchtete die Rolle des Internet für Menschen, die aus dem Nahen Osten nach Europa migrierten und für Menschen, die innerhalb Lateinamerikas von Venezuela nach Brasilien flohen. Dabei betonte sie vor allem die Gemeinsamkeiten bei der Mediennutzung auf den beiden Kontinenten, hob aber hervor, dass geflohene Menschen aus Venezuela offenbar ein stärkeres Bedürfnis haben, sich zu vernetzen, während sich Menschen aus beispielsweise Syrien oftmals eher wünschen, sich einer Vernetzung zu entziehen - aus Angst vor Kontrolle durch ihre Regierungen aber auch, um dem sozialen Druck ihres Bekanntenkreises zu entkommen.

Jussi Jauhiainen konzentrierte sich in seinem Vortrag vor allem auf den sogenannten „Digital Divide“, also auf die Digitale Kluft, die zwischen jenen Menschen verläuft, die Zugriff auf digitale Medien haben und die entsprechenden Nutzungskompetenzen (digital literacy) mitbringen. Oftmals sind ältere Menschen, Menschen vom Land bzw. aus bestimmten Weltregionen sowie Frauen eher von der Nutzung des Internets ausgeschlossen. Prof Jauhiainens Forschungsergebnisse zeigten zunächst, dass Menschen auf der Flucht tendenziell besser digital vernetzt sind als die lokale Bevölkerung in ihren jeweiligen Herkunftsländern. Sie zeigten auch, dass Menschen, die zuvor das Internet nicht genutzt hatten, auf der Flucht begannen, darauf zuzugreifen und das auch nach der Flucht weiterhin taten. Der Unterschied in der Nutzung digitaler Technologien zwischen Männern und Frauen in den Herkunftsländern verschwände zudem während der Flucht beinahe.

Die Lunch Discussion wurde nach den beiden Vorträgen mit einer Publikumsdiskussion abgerundet.