Soziale Integration ohne Eliten?
Ausmaß, Ursachen und Folgen personeller Unterrepräsentation ausgewählter Bevölkerungsgruppen in den bundesdeutschen Eliten
Abteilung Konsens und Konflikt
Projektleitung: Prof. Dr. Dr. h. c. Naika Foroutan, Prof. Dr. Sabrina Zajak
Projektmitarbeitende: Dr. Kathleen Heft
Leitende Forschungsfragen
Dass Ostdeutsche und Menschen mit Migrationshintergrund seltener in der Elite vertreten sind, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspräche, wird nicht nur von den betroffenen Gruppen, sondern von einer Mehrheit der Bevölkerung mit Blick auf die Dimensionen Legitimität, Funktionalität und Repräsentation als gesellschaftliches Problem angesehen. Damit eröffnen sich Möglichkeiten zur politischen Intervention.Prof. Dr. Sabrina Zajak, Assoziiertes Mitglied, Abteilung Konsens und Konflikt
Vor dem Hintergrund der Unterrepräsentation von Ostdeutschen und Personen mit Migrationsbiografien in Eliten verfolgte das Projekt mehrere miteinander verknüpfte Forschungsziele unter ausdrücklich vergleichender Perspektive. Zunächst wurde eine umfassende Erhebung biografischer Daten von Mitgliedern der bundesdeutschen Elite, mit besonderem Fokus auf Ostdeutsche, durchgeführt, um Ausmaß und strukturelle Ursachen ihrer Unterrepräsentation sowie die von Personen mit Migrationshintergrund zu erfassen. Zudem wurde untersucht, wie diese Unterrepräsentation von der Bevölkerung wahrgenommen, erklärt und bewertet wird, und welche Folgen dies für die politische Kultur in Ostdeutschland und in migrantischen Milieus hat. Ergänzend wurden mögliche Ursachen der Unterrepräsentation anhand von Einstellungen zu Eliten und Aufstiegsorientierungen analysiert. Schließlich zielte das Projekt darauf ab, die Ergebnisse sowohl in der (politischen) Öffentlichkeit als auch in der wissenschaftlichen Diskussion zu vermitteln.
Die Datenlage zu Repräsention in Eliten erlaubt bis dato keine verlässlichen Aussagen. Das Projekt lieferte differenziert nach Sektoren belastbare Zahlen zur Unterrepräsentation sowie zur Wahrnehmung und Bewertung dieser Unterrepräsentation durch die Bevölkerung.
(a) eine umfassende Erhebung biografischer Daten der bundesdeutschen (und darin speziell auch: ostdeutschen) Eliteangehörigen, um in einem ersten Zugriff Ausmaß und strukturelle Ursachen der Unterrepräsentation der Ostdeutschen wie Personen mit Migrationshintergrund zu erfassen;
(b) die Wahrnehmung, Erklärung und Bewertung der personellen Unterrepräsentation in der Bevölkerung erfassen, um deren Folgen für die politische Kultur Ostdeutschlands und in migrantischen Milieus zu analysieren;
(c) Vermittlung der Ergebnisse in die (politische) Öffentlichkeit und in die Fachdiskussion
Das Projekt bestand aus drei miteinander verbundenen Modulen
(a) Projektmodul I strebte eine umfassende Erhebung biografischer Daten der bundesdeutschen (und darin speziell auch: ostdeutschen) Eliteangehörigen an, um in einem ersten Zugriff Ausmaß und strukturelle Ursachen der Unterrepräsentation der Ostdeutschen wie Personen mit Migrationshintergrund zu erfassen.
(b) Projektmodul II untersuchte die Wahrnehmung, Erklärung und Bewertung der personellen Unterrepräsentation in der Bevölkerung, um deren Folgen für die politische Kultur Ostdeutschlands und in migrantischen Milieus zu analysieren. Darüber hinaus lieferte das Modul durch die Untersuchung der Einstellungen zu Eliten und Aufstiegsorientierungen komplementäre Daten zu möglichen Ursachen der personellen Unterrepräsentation.
(c) Projektmodul III vermittelte das Projekt und seine Ergebnisse in die (politische) Öffentlichkeit und in die Fachdiskussion.
Ostdeutsche stellen ein Fünftel (19,4 Prozent) der Bevölkerung, sind aber nur mit 10,1 Prozent in Elitepositionen vertreten. Bei Menschen mit Migrationshintergrund (26 Prozent der Bevölkerung, 9,2 Prozent in Elitepositionen) ist das Missverhältnis noch größer. Je nach gesellschaftlichem Bereich zeigen sich große Unterschiede. Die Bevölkerung nimmt das Missverhältnis wahr und sieht es als Problem an. Spezielle Fördermaßnahmen für Ostdeutsche werden etwas häufiger befürwortet als vergleichbare Maßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund.
Förderung: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Drittmittel)
Kooperationspartner:
Universität Leipzig, Hochschule Zittau/Görlitz; Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)